Bündnis gegen Burschenschaften stellt Ultimatum an Rektor

„Burschis raus, sonst Blaupause kaputt“

Am 6. Juni 2015 feiert die Ruhr-Universität Bochum (RUB) mit viel Tamtam ihr 50 jähriges Bestehen. Hier soll auch mindestens fünf reaktionären Studentenverbindungen, die teils am ganz rechten Rand angesiedelt sind, eine Plattform geboten werden. Trotz massiver Kritik von studentischen Gremien, Initiativen und Fachschaften stellt sich die Univerwaltung stur. Menschlich, weltoffen, tolerant? Von wegen! Die RUB, der sowieso bereits ein Naziproblem anlastet, gibt sich rückwärtsgewandt und borniert.

Eine kleine Argumentationshilfe

Rein ordnungspolitisch zu begründen wäre eine Ausladung von Studentenverbindungen recht einfach mit der „Haus- und Streckenordnung“ der Blaupause. Diese sieht u.A. vor, frauenfeindliche oder sexistische Propaganda und Gruppen nicht zu tolerieren. Nehmen doch alle fünf Verbindungen nur biologisch männliche Personen auf, was die Definition von Sexismus, also auf das Geschlecht bezogene Diskriminierung, unmissverständlich erfüllt. Nebenbei können mindestens zwei Verbindungen Kontakte zur extremen Rechten nachgewiesen werden. Die „Prager Burschenschaft Arminia“ ist im Dachverband „Deutsche Burschenschaft“ organisiert, in dem vor wenigen Jahren noch ein „Ariernachweis“ für Burschenschaftler gefordert wurde und der als Tummelplatz für stramm rechte Burschen gilt. Der „VDSt Breslau-Bochum“ führte erst Anfang Mai eine Veranstaltung mit einem Referenten der „Jungen Freiheit“ durch, jener Zeitung die von Politikwissenschaftl*innen einem „Grenzbereich zwischen Konservatismus und Rechtsextremismus zugeordnet und als Sprachrohr der Neuen Rechten bezeichnet wird“. Im Mai 2014 organisierte der VDSt im Verbindungshaus am Nordring einen Vortrag von Andreas Lichert, Betreiber der „Projektwerkstatt Karben“, einem Zentrum der extrem rechten „Identitären Bewegung“. Auch in Bochum versuchten einzelne Mitglieder wie Alexander Röhlig in der Vergangenheit einen neu-rechten Stammtisch zu etablieren.

Ultimatum zum 4. Juni 2015

Als Bündnis gegen Burschenschaften an der RUB stellen wir der Univerwaltung deshalb hiermit bis zum 4. Juni ein Ultimatum, zur Vernunft zurückzukehren. Dies bedeutet eine Ausladung aller Verbindungen, Corps, Turner- Burschenschaften und Landsmannschaften von der Blaupause. Ansonsten sehen wir uns gezwungen zur aktiven Störung der Jubiläumsfeierlichkeiten aufzurufen. Denn sind die Burschis offizieller Teil des Festaktes, muss dieser selbst zum Ziel antisexistischer und antirassistischer Intervention werden. Konkret heißt das, wir werden unseren Protest nicht nur bei der Blaupause auf der Unistraße sichtbar machen, sondern auch vor 1.300 geladenen Gästen und Bundespräsident Gauck im Audimax.

Um Missverständnisen vorzubeugen: Eigentlich ist uns die Blaupause recht egal. Die aktive Einbindung reaktionärer Studentenverbindungen sprengt allerdings jede gesellschaftliche Norm. Sollten also tatsächlich rückschrittliche und teils extrem rechten Gruppen und Personen Teil der Blaupause sein, so kann der Uni getrost ein strukturelles Naziproblem, jenseits von „Einzelfällen“ attestiert werden. Wir hoffen darauf, dass die Verantwortlichen – genannt seien hier RUB-Rektor Elmar Weiler und Blaupause-Eventmanager Patric Daas – endlich zur Besinnung kommen.

Bündnis gegen Burschenschaften und für eine weltoffene Universität

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